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„Das klangliche Ergebnis ist nicht zufällig“

Der Cembalist und Pianist Andreas Staier debütiert als Komponist. Und kleidet seine Verehrung für Bach dabei in eine dezidiert moderne Tonsprache.
Von Arnt Cobbers

Herr Staier, im reiferen Alter fangen Sie plötzlich an zu dirigieren und zu komponieren. Ist Ihnen langweilig geworden am Cembalo?
Nein. Es hat sich so ergeben, dass mich manche Ensembles gefragt haben. Das waren kleinere Kammerorchester, wo man sich so an der Grenze bewegt: Dirigiert man manche Abschnitte besser oder kann man das alles vom Tasteninstrument aus leiten? Ich sehe mich nicht als Dirigenten, dafür bin ich nicht der Typ.

Und warum komponieren Sie jetzt?
Wenn man in Köln lebt, kann man einiges an Zeitgenössischer Musik hören. Es hat mich immer interessiert, in Konzerte zu gehen, wo Dinge erklingen, die man nicht kennt, und wo man nicht weiß: Was wird in fünf Minuten sein? Werde ich ärgerlich sein, gelangweilt, total fasziniert? Das finde ich spannender, als mir bekannte Dauerbrenner des Repertoires nochmal anzuhören. Es hat mich nie interessiert, mir ein Werk mit diesem Orchester und Dirigenten anzuhören und dann zu vergleichen – diese Aufgabe überlasse ich gern Ihnen als Kritiker. Ich kann mir Beethovens Fünfte morgens in der Badewanne einmal durchsingen und hab genauso viel davon, wie wenn ich sie höre. Ich finde es schön, wenn man keinen einzigen Namen im Programm kennt. Man überfliegt kurz die Programminformation oder gerade nicht – und dann geht’s los und man wird mitgenommen auf die Reise. Dieses Interesse führte dazu, dass ich einige Komponisten und Komponistinnen näher kennengelernt habe, zum Beispiel Brice Pauset, der 2000 ein Stück für mich geschrieben hat. Wir sind in Kontakt geblieben, und aus den Gesprächen mit ihm und der Komponistin Isabel Mundry, einer guten Freundin, erwuchs die Idee, das auch mal auszuprobieren. Ich hab dann meist in den Sommerferien, wenn ich mal aus allem raus war, ein paar Notizen gemacht. Aber kaum waren die Ferien zu Ende, wurde das zugeschüttet von den andern Aktivitäten. Dadurch ging es jedes Jahr von vorne los. In den Lockdowns hab ich mir diese ganzen Zettel mal angeguckt. Die frühesten Aufzeichnungen sind bestimmt zehn Jahre alt gewesen und mir selbst schon fast wieder unbekannt. Dann hab ich versucht, das fertigzustellen. Lange Zeit war mir nicht klar: Wird das überhaupt fertig? Und wird das so blöd, dass es nur peinlich ist? Es gab ein paar Gespräche, vor allem mit Isabel, die ich auch gefragt habe: Soll ich das jemandem vorsetzen? Und sie sagte: Unbedingt! So kam das. Über Brice Pauset konnte ich die Stücke netterweise bei einem Verlag in Paris unterbringen – was einen bauchpinselt. Denn ich glaube nicht, dass sich neue Cembalostücke zu Tausenden verkaufen werden.

Méditation. Werke von Bach, Couperin, Fischer, Froberger, Fux und Staier; Andreas Staier (Cembalo, 2022); Alpha

Das gesamte Interview lesen Sie in der Aprilausgabe von FONO FORUM