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Ein Meister der Stimme

Mit Aribert Reimann ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Opernkomponisten gestorben

Von Ecki Ramón Weber

Unter den Komponisten unserer Tage war er der Spezialist für die differenzierte Erforschung von Emotionen und für sensible psychologische Zeichnung. Aribert Reimann, geboren am 4. März 1936 in Berlin als Sohn einer Gesangspädagogin und eines Kirchenmusikers, fand vor allem in seinen Opern, aber auch in anderen Vokalwerken und Instrumentalmusik ungeahnte Klänge und Darstellungsmöglichkeiten für menschliche Abgründe und Beziehungsdynamiken. Bemerkenswert unabhängig von ästhetischen Theorien setzte Reimann vielfältige Kompositionstechniken ein und verschmolz unterschiedliche Formtraditionen, zumeist hochexpressiv und spannungsgeladen, mal mit kräftigen, auch grellen Farben, mal fragil und subtil. Am 13. März 2024 ist der mit vielen Preisen ausgezeichnete Komponist, Pianist, Liedbegleiter und Hochschulprofessor im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben. In Erinnerung bleiben nicht nur seine Werke, sondern auch seine von tiefem Humanismus geprägte unprätentiöse, sympathische Art im persönlichen Umgang und seine Menschenliebe.

L’invisible (2011-17)
Noch im hohen Alter hat Aribert Reimann mit neuen Formen und Ausdrucksweisen experimentiert und sich immer weiterentwickelt. Für „L’invisible“, 2017 an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt, erstellte er erneut selbst das Libretto, hier auf der Basis von drei kurzen Stücken des Symbolisten Maurice Maeterlinck. Darin geht es um trügerische Sicherheit, Gefährdung und Tod. Drei Countertenöre als Engelgestalten begleiten das Geschehen. In der musikalischen Ausgestaltung zeigt sich Reimann noch immer auf der Höhe seiner Schaffenskraft, die traumwandlerische Handlung findet ihre klanglichen Entsprechungen in vielfachen Schattierungen und feinen Nuancen. Glücklicherweise ist eine CD-Aufnahme der Berliner Produktion entstanden. Der Erfolg von „L’invisible“ veranlasste die Deutsche Oper, ein weiteres Stück bei Reimann in Auftrag zu geben, 2024 sollte es uraufgeführt werden. Das Werk konnte Aribert Reimann nicht mehr zu Ende bringen.

Neun weitere wichtige Werke Reimanns im Kurzporträt finden Sie in der Mai-Ausgabe von FONO FORUM.