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Eine neue Passion

Als „künstlerisches Experiment“ präsentiert Alexander Grychtolik eine Aufnahme des Passionsoratoriums BWV Anh. 169: Ein neuer Einblick in die Welt von Bachs Passionen.

Von Klemens Hippel

„Fünf Paßionen, worunter eine zweychörige befindlich ist“, habe Johann Sebastian Bach komponiert, vermeldet 1754 der Nekrolog in Mizlers Musikalischer Bibliothek. Doch wir kennen nur drei: die Johannes-, die Matthäus- und die Markus-Passion, wobei von letzterer nur der Text erhalten ist. Jetzt präsentiert der Weimarer Cembalist, Dirigent und promovierte Musikwissenschaftler Alexander Grychtolik als „künstlerisches Experiment“ eine Aufnahme des Passionsoratoriums BWV Anh. 169 (neu: BWV S. 718), das er bereits im vergangenen Jahr in einem Konzert vorgestellt hat. Ausgangspunkt ist das überlieferte Libretto des Dichters Picander aus dem Jahre 1725. Grychtolik geht nach umfangreichen Forschungsarbeiten davon aus, dass Bach diesen Text von Picander für seine Passion am Karfreitag 1725 beauftragt habe. Vielleicht wegen einer Intervention der damals üblichen Textzensur sei die Passion – fertig gestellt oder nicht – aber nicht aufgeführt worden.

„Das Passionsoratorium mag überraschen und liebgewonnene Hörgewohnheiten herausfordern. Unser heutiges Bach-Bild ist ja durch die erhalten gebliebenen Werke und deren Rezeptionsgeschichte geprägt. Das ist wie bei den Dinosauriern: Früher dachte man, die wären alle grau wie Elefanten – neuere Analysen an den Fossilien zeigen aber, dass viele bunte Federn hatten! Das ändert unser Bild total.“

Lesen Sie das gesamte Interview mit Alexander Grychtolik in der Märzausgabe von FONO FORUM.
Foto: Hartmut Hientzsch