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Im Stift versteckt

Ganz im Westen Berlins schrieb Ernst Pepping die vielleicht großartigste evangelische Kirchenmusik nach Bach

Von Volker Tarnow

Pepping liebte Bonmots, Übertreibungen, Provokationen, seine Konversation war immer ziemlich kess und nicht selten ironisch. Fest steht, dass der Mann, der als bedeutendster Komponist evangelischer Kirchenmusik nach Bach gilt und fast fünfzig Jahre im Spandauer Johannesstift lebte, mit Religion nicht viel zu tun haben wollte.
Am Gemeindeleben und an den Gottesdiensten in Spandau nahm er nicht teil, die Bezeichnung „Kirchenmusikkomponist“ machte ihn wütend, und über die Singbewegung, die Schul- und Gebrauchsmusik goss er kübelweise Spott aus („Zeltlagerdasein mit Flaggenhissen und Kanonsingen“). Die Verspotteten rächten sich, indem sie seinen Stil als bizarr, gespreizt und unsingbar bezeichneten. Seine Entfernung von dieser Szene war so groß wie von allen anderen auch. Er hasste die Orgel und fand Bach oft langweilig, die Musik seiner Kollegen interessierte ihn kaum, sofern es sich nicht um Konkurrenten wie Paul Hindemith oder Hugo Distler handelte, die im Auge behalten werden mussten. Konzerte jedenfalls besuchte Pepping selten, er zog Radioübertragungen von Boxkämpfen vor.

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