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„Man muss Ereignisse schaffen“

Der Dirigent Steven Sloane über Bilder in der ­Musik, gute Programme und Hilfen für ­ ­junge Dirigenten. Von Arnt Cobbers

Steven war 27 Jahre lang, bis 2021, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, mit denen er mehrfach für innovative Konzertprogramme ausgezeichnet wurde. Er war künstlerischer Leiter der Opera North in Leeds, ist Erster Gastdirigent der Oper Malmö, seit 2020 Musikdirektor des Jerusalem Symphony Orchestra – und unterrichtet seit 2013 an der Universität der Künste Berlin Dirigieren.

Herr Sloane, macht es für Sie einen Unterschied, ob über einem Stück Symphonie Nr. 1 steht oder „Frühlingssymphonie“?
Das ist eine sehr interessante Frage, weil manche dieser Titel von den Komponisten selbst stammen, andere den Werken erst später beigegeben wurden. Oft umreißt der Titel die Atmosphäre des Werkes – oder nehmen Sie Haydns Sinfonie Nr. 83, „La Poule“, da gibt es wirklich ein Motiv, das einen an eine Henne denken lässt. In Haydns Sinfonie „Le Matin“ hört man den Sonnenaufgang. Aber wenn da nur Sinfonie Nr. 6 stünde, käme man vielleicht nicht auf dieses Bild. Da ist der Titel hilfreich. Bei Bruckners Vierter dagegen macht der Beiname „Romantische“ nicht viel Sinn – alle seine Symphonien sind romantisch. (…)

Und wenn die Frühlingssinfonie nach Winter klingt?
Naja, wenn Studierende etwas sagen über ein Stück, etwa ein Tempo wählen, das ich falsch finde, dann stelle ich das schon in Frage. Vor allem schreite ich ein, wenn eine Partitur nicht ernst genug genommen wird. Man muss die Partitur wirklich sehr sehr gut kennen. Und einige Dinge machen die jungen Dirigenten, weil es Konvention ist oder weil sie das von einer Aufnahme her kennen. Ich versuche sie unabhängig zu machen. Sie sollen sich nicht von 20 CDs leiten lassen, sondern einstehen für das, was wirklich ihre Meinung ist. Das ist der einzige Grund, heute ein Dirigent zu sein: Dass man wirklich etwas Profundes zu sagen hat. Sonst ist dieser Beruf viel zu schwer. Man muss dafür brennen, etwas zu sagen, und was man sagen will, muss sublim sein, das muss unsere Musiklandschaft erleuchten.

Das gesamte Interview lesen Sie in der Aprilausgabe von FONO FORUM.